Von der Beschaffung
bis zum Absatz

Wie ein Schrank entsteht – und welche Prozesse dahinter stecken. Ein Weg vom Rohstoff bis zum Kunden.

BeschaffungMaterial einkaufen
ProduktionSchrank herstellen
AbsatzVerkauf & Lieferung
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Der rote Faden

Ein Produkt durchläuft drei große Phasen.

Damit ein Schrank beim Kunden ankommt, arbeiten im Unternehmen drei Bereiche zusammen. Jeder hat eine klare Aufgabe – und alle greifen ineinander.

01

Beschaffung

Das Unternehmen kauft die richtigen Materialien ein: Holzplatten, Beschläge, Verpackung – in passender Menge, Qualität und zum guten Preis.

02

Produktion

Aus den Materialien wird das Produkt gefertigt: zuschneiden, bohren, prüfen und flach verpacken – möglichst effizient in großer Stückzahl.

03

Absatz

Der Schrank kommt zum Kunden: gelagert, transportiert und verkauft – über den eigenen Laden, Partner oder online.

1 Beschaffung

Das richtige Material,
zur richtigen Zeit.

Bevor produziert werden kann, muss eingekauft werden. Die Beschaffung sorgt dafür, dass alle Werkstoffe in der passenden Menge und Qualität rechtzeitig da sind – ohne unnötig viel Lager zu binden.

Ziel der Beschaffung

Aufrechterhaltung der Versorgung

Immer genug Material bereitstellen – ohne unnötig viel Kapital im Lager zu binden. Dafür gibt es vier Beschaffungsprinzipien.

Prinzip 1

Einzelbeschaffung

Material wird erst bestellt, wenn es tatsächlich gebraucht wird.

Vorteile

  • Übersichtlich
  • Kein Überschuss

Nachteile

  • Keine Massenproduktion möglich
  • Nur für kleine Betriebe
  • Extremes Verspätungsrisiko
Prinzip 2

Vorratsbeschaffung

Große Mengen werden im Voraus bestellt und eingelagert.

Vorteile

  • Durchgehende Produktion möglich
  • Geringeres Verspätungsrisiko
  • Ermöglicht Massenproduktion

Nachteile

  • Teure Lagerkosten
  • Ein- & Auslagerung kostet Zeit
Prinzip 3

Just-in-Time / -Sequence

Fertigungssynchron geliefert – genau dann, wenn produziert wird. Bei Just-in-Sequence zusätzlich in der richtigen Reihenfolge.

Vorteile

  • Geringe Lagerhaltungskosten
  • Geringe Kapitalbindung
  • Schnellere Durchlaufzeiten

Nachteile

  • Anfällig für Störungen (Streiks, Naturkatastrophen …)
  • Hohe Vernetzung der Lieferkette nötig
Prinzip 4

Just-in-Case

Bewusst Puffer- und Sicherheitsbestände halten – für den Fall von Störungen. Das Gegenstück zu Just-in-Time.

Vorteile

  • Hohe Versorgungssicherheit
  • Lieferfähig auch bei Störungen
  • Unabhängiger von Lieferanten

Nachteile

  • Hohe Lager- & Kapitalbindungskosten
  • Gefahr von Überbeständen
  • Viel Lagerplatz nötig

🛒 IKEA-Schrank: Vorratsbeschaffung

IKEA ist ein sehr großes Unternehmen mit vielen Produkten. Just-in-Time/-Sequence und Einzelbeschaffung ergeben hier kaum Sinn – deshalb wird auf Vorrat beschafft.

Weitere Aufgaben der Beschaffung

Schritt

Bedarfsermittlung

Wie viel Material wird gebraucht? Aus den geplanten Verkaufszahlen wird berechnet, welche Mengen bestellt werden müssen.

Schritt

Angebotsvergleich

Mehrere Lieferanten-Angebote werden verglichen – nach Preis, Qualität, Lieferzeit und Zuverlässigkeit.

Schritt

Lieferanten & Länder

Auswahl der passenden Lieferanten und Herkunftsländer – oft dort, wo Material und Produktion günstig sind, unter Beachtung der Transportwege.

Material für den Schrank

Spanplatten / Holzwerkstoffe Beschläge (Scharniere, Schrauben) Griffe & Führungen Verpackung & Aufbauanleitung
2 Produktion

Aus Material
wird ein Produkt.

In der Produktion werden die Werkstoffe in vielen Schritten zum fertigen Schrank verarbeitet. Das Ziel: gleichbleibende Qualität bei möglichst geringen Kosten – in großer Stückzahl.

Gute Planung zuerst

Prozesse durchdenken, Produkte testen

Vor der Massenfertigung werden die Abläufe genau geplant und die Produkte ausgiebig getestet – z. B. mit CAD-Entwicklung und 3D-Druck. Diese Begriffe beschreiben, wie man eine Produktion gestaltet:

Prinzip

Mass Customization

Individuelle Anpassung trotz Massenproduktion. IKEA: nein – nicht individuell gefertigt.

Prinzip

Plattformstrategie

Viele Produkte auf gemeinsamer technischer Basis. IKEA: ja – gleiches Gestell/Format.

Prinzip

Baukastenprinzip

Standardisierte Module, flexibel kombinierbar. IKEA: eher nicht.

Prinzip

Flexibles Fertigungssystem

Maschinen schnell auf andere Produkte umstellbar. IKEA: ja – viele Größen & Farben.

Werkzeug

CAD

Digitales Konstruktionswerkzeug als Basis moderner Produktion. IKEA: digitaler Entwurf der Schränke.

Kennzahl

Losgröße

Anzahl gleicher Produkte je Fertigungslauf. IKEA: viele gleiche hintereinander.

Kennzahl

Fertigungsbreite

Anzahl unterschiedlicher Produkte im Angebot. IKEA: sehr hoch.

Kennzahl

Fertigungstiefe

Anteil der selbst übernommenen Produktion. IKEA: ca. 10 % selbst.

Strategie

Outsourcing

Auslagern von Produktionsschritten an externe Firmen. IKEA: Herstellung größtenteils ausgelagert.

Das Herzstück

Zuschnitt der Platten

Große Holzplatten werden präzise auf Maß gesägt. Aus einer Platte entstehen viele gleiche Teile.

💡 Warum flach verpacken?

Der Schrank wird zerlegt und flach verpackt („Flat-Pack"). Das spart enorm Platz beim Transport und Lagern – ein Lkw transportiert so ein Vielfaches an Schränken. Der Kunde baut selbst auf. Genau hier verbindet sich die Produktion mit dem nächsten Schritt: dem Absatz.

Make or Buy: selbst herstellen oder einkaufen?

Pro Eigenfertigung (Make)

  • Kontrolle über den Fertigungsprozess
  • Know-how bleibt im eigenen Unternehmen

Pro Fremdbezug (Buy)

  • Keine Fixkosten
  • Kein Verlust an strategischer Flexibilität
  • Zugang zum Know-how des Lieferanten

🏭 IKEA-Schrank: Make und Buy

Einen kleinen Teil stellt IKEA selbst her (früher über die Tochterfirma Swedwood, heute „IKEA Industry") – der Großteil der Teile wird von Zulieferern gefertigt. Die Fertigungstiefe liegt bei nur rund 10 %.

Lean Production: schlank produzieren

Lean Production heißt: möglichst wenig Verschwendung – wenig Personal, wenig Platz, wenig Müll. Mehrere Methoden helfen dabei:

Methode

Kaizen

Ständige Verbesserung in kleinen Schritten.

  • Kundenorientiert
  • Stetige Verbesserung der Prozesse
  • Regelmäßige Qualitätskontrollen
  • Vieles ist standardisiert
  • Kritik ist erwünscht – sie bringt Verbesserungen
Methode

Karakuri (LCA)

Low Cost Automation – sehr günstige Automatisierung ohne Technik-Aufwand.

  • Ohne Strom, Sensoren oder Druckluft
  • Keine Steuerung/Programmierung – nutzt physikalische Gesetze (z. B. Schwerkraft)
  • Sehr niedrige Kosten
  • Entkoppelt den Transport von der Montage
  • Transportiert z. B. Materialboxen – geordnet nach Eigengewicht
  • Mitarbeiter können sich auf wertschöpfende Aufgaben konzentrieren
Methode

5S-Methode

Ordnung und Standard am Arbeitsplatz – in fünf Schritten:

  • Seiri – Selektieren: Unnötiges abschaffen (spart Zeit)
  • Seiton – Systematisieren: alles geordnet
  • Seiso – Säubern: reinigen & Mängel beheben
  • Seiketsu – Standardisieren
  • Shitsuke – Selbstdisziplin

→ steigert Produktivität & Qualität und macht schneller

3 Absatz

Vom Lager
bis zum Kunden.

Jetzt muss das Produkt verkauft und geliefert werden. Der Absatz umfasst die gesamte Logistik: lagern, transportieren und über die richtigen Wege an den Kunden bringen.

Logistik-Ziel

Die 6 R der Logistik

Gute Logistik heißt: das Richtige zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sechs Bedingungen müssen zusammenpassen.

R
Richtiges Produktdas bestellte Möbelstück
R
Richtige Mengeweder zu viel noch zu wenig
R
Richtige Qualitätunbeschädigt & vollständig
R
Richtiger Ortbeim Kunden / im Laden
R
Richtige Zeitpünktlich geliefert
R
Richtige Kostenso günstig wie möglich

Was gute Logistik ausmacht

Organisation Flexibilität Zuverlässigkeit Klare Aufgabenteilung Denken in Prozessen
Lagerhaltung

Wie wird eingelagert?

Zwei Systeme stehen zur Wahl. Wechsle zwischen beiden und sieh den Unterschied.

Geordnete Lagerhaltung

Jede Ware hat einen festen Platz – klar sortiert nach Typ.

  • Übersichtlich – man findet alles sofort
  • Keine Abhängigkeit von einem System, nicht fehleranfällig
  • Weniger effizient, Platz wird nicht voll genutzt
  • Probleme, wenn neue Produkte dazukommen

Chaotische Lagerhaltung

Ware kommt dorthin, wo Platz ist – ein Computer merkt sich den Ort.

  • Schneller einzulagern und platzsparend
  • Flexibel bei neuen Produkten
  • Unübersichtlich ohne System
  • Abhängig vom Computer – fällt er aus, großer Aufwand
Entscheidungen im Absatz

Wer liefert – und wie wird gelagert?

Logistikverfahren

Wer übernimmt den Transport?

  • Eigene Logistik: volle Kontrolle, flexibler
  • Spedition: einfacher und meist günstiger

Lagerlogistik

Auf Vorrat oder passgenau?

  • Lagerhaltung: einfacher, aber teurer (bindet Kapital)
  • Just in Time / Sequence: günstiger & effizienter, aber fehleranfällig
Absatzwege

Womit wird transportiert?

Jedes Transportmittel hat eine Stärke. Oft werden mehrere kombiniert.

Zugam umwelt­freundlichsten
LKWbeste Kombination aus Kapazität & Flexibilität
Schiffgrößte Kapazität
Flugzeuggrößte Reichweite
Transporterklein & sehr flexibel
Absatzorgane

Wo wird verkauft?

Online-Shop

Verkauf über die eigene Website – rund um die Uhr, ohne Ladenfläche.

Eigener Laden

Kunden sehen und testen das Produkt direkt vor Ort.

Drittläden

Verkauf über Partner und Händler – größere Reichweite.

Nebenprodukte

„Souvenirs" – z. B. der Keks zum Kaffee: kleine Zusatzverkäufe.

Absatzweg

Direkter oder indirekter Absatz?

Verkauft der Hersteller selbst – oder über Zwischenhändler?

Direkt

Direkter Absatz

Der Hersteller verkauft ohne Zwischenhändler direkt an den Endkunden – z. B. über eigene Läden oder den eigenen Online-Shop.

Indirekt

Indirekter Absatz

Der Verkauf läuft über Zwischenhändler (Groß- und Einzelhandel, Drittläden), die das Produkt weiterverkaufen.

🏬 IKEA-Schrank: überwiegend direkt

IKEA verkauft vor allem direkt – über die eigenen Einrichtungshäuser und den eigenen Online-Shop. Nur ein kleiner Teil läuft über Dritte.

Preispolitik

Über welchen Weg kommt der Gewinn?

Zwei grundsätzliche Strategien – über die Menge oder über den Preis.

Strategie A

Niedrigpreisstrategie

Niedrige Preise, dafür sehr viele Verkäufe. Der Gewinn entsteht über die große Menge.

Strategie B

Hochpreisstrategie

Höhere Preise bei weniger Verkäufen. Der Gewinn entsteht über die hohe Marge pro Stück.

🏷️ IKEA-Schrank: Niedrigpreisstrategie

Günstige Möbel in sehr großer Stückzahl – der Gewinn kommt über die Menge, nicht über den einzelnen Preis.

Das Rätsel

Teste dein Wissen.

Sechs Aufgaben quer durch Beschaffung, Produktion und Absatz. Antworte direkt – du bekommst sofort Rückmeldung.

Aufgabe 1 · Auswählen

Welche Beschaffungsart passt am besten zu einem Möbel-Riesen wie IKEA?

Aufgabe 2 · Zuordnen

Ordne die Produktionsbegriffe ihrer Bedeutung zu.

Tippe einen Begriff an, dann die passende Bedeutung.

Aufgabe 3 · Reihenfolge

Bring die Produktionsschritte in die richtige Reihenfolge.

  • Qualität prüfen
  • Platten zuschneiden
  • Flach verpacken (Flat-Pack)
  • Löcher bohren
Aufgabe 4 · Auswählen

Welches Transportmittel ist am umweltfreundlichsten?

Aufgabe 5 · Wahr oder Falsch

Bei der chaotischen Lagerhaltung merkt sich ein Computer, wo jede Ware liegt.

IKEA verfolgt die Hochpreisstrategie.

Beim direkten Absatz verkauft der Hersteller ohne Zwischenhändler an den Kunden.

Aufgabe 6 · Zuordnen

Welches Transportmittel hat welche Stärke?

Tippe ein Transportmittel an, dann die passende Stärke.

Fazit

Erst das Zusammenspiel
bringt den Schrank zum Kunden.

Beschaffung, Produktion und Absatz sind kein Nacheinander, sondern ein Kreislauf. Nur wenn alle Bereiche organisiert zusammenarbeiten – mit klarer Aufgabenteilung und Denken in Prozessen – wird aus Rohstoff ein Produkt, das pünktlich, günstig und in guter Qualität beim Kunden ankommt.

Beschaffung
Produktion
Absatz